Drievliet
Nach einem kurzfristig verschobenen Bobbejaanland-Hamburgersaucen-Reloaded am gestrigen Samstag, ging es heute entschädigungsmässig spontan nach Holland in den Drievliet-Park. Schon die Fahrt dorthin versprach interessant zu werden, so ging es quasi fast von Youkays Haustüre aus knapp 200 km nur stupide eine Autobahn geradeaus, bis der Arzt erscheint. Da man selbst mit kleinem Vehikel bewaffnet auf Hollands Autobahnen mit weissem Kennzeichen Privilegien geniessen kann, wurde die linke Spur gleich für längere Zeit abonniert. Nach insgesamt guten zwei Stunden Fahrt und viel gesehener Dorf- und Kuhprovinzen wie man sie sonst nur aus den EU-Nachbarländern Bayern und der Schweiz kennt, kam man endlich in der Ortschaft Rijswijk an, welche uns theoretisch hätte für das korrekte Aussprechen des Namens einen Workshop geben müssen.
Um kurz nach 10 am Parkplatz angelangt, auf dem sich erst wenige Autos tummelten wurde fast First Row geparkt, Tickets erworben und per Handschlag die Animateure am Eingang begrüsst. Super Einstand! Auf der Suche nach einem Schliessfach, ging es erst einmal komplett durch den ganzen Park, zum zweiten Restaurant, welches sich im hinteren Teil des Parkes befindet. Hier durfte man die Erfahrung machen, daß nicht jeder Freizeitpark so raffgierig ist, wenn es um Schliessfächer geht. Für sage und schreibe 1,50 € (+ 3 € Pfand) bekommt man in Drievliet ein mittelgrosses Schliessfach und das den kompletten Tag über. Thumbs up, kann man da nur sagen.
Der erste Ride des Tages war der neue Launched-X-Car Coaster “Formule X”. Dieser Coaster fährt sich -um es mal konform auszudrücken- einfach nur porno. Wüsste Gina Wild Maurer & Söhnes Qualitäten zu schätzen, wäre sie wahrscheinlich niemals in der Erotikbranche gelandet. Die Fahrt beginnt mit einem geschmeidigen Turn in die Kurve nachdem auch schon direkt im fliessenden Übergang der Launch kommt, der wirklich zart und einfach perfekt ist. Wie ein Messer, welches sanft beim Sonntagsbrunch die Butter streicht, gleitet der Coaster über den Track. Man kann es eigentlich gar nicht gescheit in Worte fassen, welche Laufruhe diese Anlage beherbergt. Die komplette Fahrtdauer über ist kein Laut zu vernehmen, ausser das Geschreie der Insassen. Hier hat der Slogan ‘Innovations in Steel’ absolute Daseinsberechtigung. Selbst in der Queue, merkt man gar nicht, daß der Coaster über einem hinweg fährt, so leise ist er. Würde Vekoma auch Autos herstellen, wäre Formule X wahrscheinlich ein Maybach. Die Wartezeiten waren anfangs gleich Null, im Laufe des Mittags füllte sich der Park aber und man musste 10-15 Minuten Geduld bei Formule X mitbringen. (Aber selbst 15 Minuten können rasend schnell vergehen, wenn die Queue mit dem Schumacher-Hit dauerbeschallt wird.)
Vom Gesamtambiente würde ich den Park in die Riege Familienpark eingliedern, wobei sich das “Familie” eher auf die tüchtige Belegschaft bezieht. Durchweg gutgelaunte (überwiegend jüngere) Ride-OPs und Mitarbeiter bringen eine angenehme Atmosphäre mit (man könnte meinen, es handelt sich um einen Familienbetrieb). Wenn es sein muss, wird die Arbeit auch mal kurz niedergelegt, um für den Parkbesucher ein Foto des Bedienstandes zu machen oder es wird geflirtet und mit Parkgästen rumgeblödelt als kenne man sich vom Wochenmarkt. Highlight des Tages waren zwei Ride-OPs die nach Feierabend durch den Park hetzten, um noch einige Fahrten auf den anderen Geräten zu machen. Sowas nennt man dann Spass an der Freude.
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten - und das selbst an wettermässig wolkengeprägteren Tagen wie heute: Nach einer etwas längeren Wartezeit an einem der schlecht besetzten Restaurants, wurde dann resignierenderweise kurzerhand doch ein mobiler Hotdogstand aufgesucht, an dem es leider nur kalten Hotdog gab, der dazu auch schon seine besten Tage im rotierenden Schaukasten hinter sich hatte. So schmeckte er nämlich auch. Aber da auf uns im Auto ohnehin noch eine Kühltasche mit Babybellterror und Konsorten wartete, verzichteten wir auf weiteres Essen im Park um stattdessen lieber mit Coastercounts rumzuhuren und Flatrides zu besteigen, allen vorran mit den Mini-Afterburner. Aber auch die hochmoderne Enterprise (die man sogar selbst öffnen und schliessen kann) wurde gefahren sowie der Break Dancer, dessen Chaisen-”Räumlichkeit” Youkay und ich allerdings noch nicht zu 100% verstanden haben. Die Fahrtprogramme auf allen Flatrides empfanden wir ein bisschen kurz und wirklich sehr standardisiert. Aber da Wartezeiten kaum vorhanden waren, war für Exzessiv-Flatriding auch keine wirkliche Grenze gesetzt. Gut gefallen hat uns ua. die Wilde Maus, die für die Thematisierung zumindest von mir die volle Punktzahl erhalten hat. Was man aber im Park hätte definitiv noch mehr thematisieren sollen, war die lieblose Traktorfahrt, der Blick auf den Grossstadtdschungel nimmt einen schon die Freude.
Der Award für den kuriosesten Coaster, ging heute an eine Spinning Geschichte die auf den Namen “Twisterix” hört. Verspricht das Schienenlayout beim ersten Betrachten höchstens eine Spannung wie Big Brother Entscheidungsvotings, überzeugt die Fahrt bei der richtigen Gewichtsverlagerung durch interessante Drehbewegungen, die im richtigen Moment beim Einfahren in die Kurve noch gesteigert werden können (oder gemindert, je nach Breakersporterfahrung).
Spektakulär wurde es im Laufe des Tages auch noch einige Male und zwar immer bei Formule X, als beispielsweise ein Wagen beim Einfahren in den Launch mit diesem irgendwie nicht so recht warm werden wollte und vom Ride-OP manuell zurückgeschoben werden musste (Video folgt). Ausserdem wurde man noch Zeuge, wie ein jüngerer Fahrgast mit irgendeinem Gegenstand (?) während der Fahrt Bekanntschaft geschlossen hatte und dies auch lautstark nach der Fahrt bei den Ride-OPs kundtat. Witzig fanden wir später auch einen Fahrgast, der wohl vergessen hatte, daß man während Achterbahnfahrten aufgrund der Vertippgefahr keine SMS schreiben soll. (Das Handy wurde nach einer kurzen System-Auszeit von einem Ride-OP aus dem Launchtrack (!) gefischt.) Wenn das mal kein grosses Kino war. Hier bekommt wenigstens noch was geboten. Was will man mehr?
Der Park schloss zwar erst um 18 Uhr, aber die meisten Rides machten schon vorher ihre letzte Fahrt, auch wir begaben uns irgendwann zum Ausgang.
Beim Verlassen des Parkgeländes wurde noch überraschenderweise auf dem Parkplatz ein etwas grösseres Paket mit schwarzen Stützen entdeckt. Nach einer Nachfrage bei einem Mitarbeiter sind diese wohl für den neuen Hamburgerstand gedacht, der im Juni im hinteren Teil des Parkes eröffnen wird. Für die Beilage der Hamburger wurde übrigens ein renommierter belgischer Hamburgersaucen-Hersteller verpflichtet. Man darf gespannt sein! Nach einem kleinen Picknick im Auto samt kostenloser Parkplatzbeschallung für die umherstehendenen Autos, führten wir auf der Rückfahrt mitten auf der Autobahn im Stau dann noch den ultimativen Liege- und Bequemlichkeitstest mit Heimatbier durch. Prädikat: Gemütlich!
Fazit der Tour: Wegen Team Green Tankstelle verpasst. Babybell mal wieder im Überfluss. Viel Rides für wenig Geld. Zuviel Carazza erzeugt Dünnschiss. Nie wieder Thermoskannen von Plus!
Nachtrag 14.06.07
Über einen Monat nach der Drievliet-Tour weiss man unsere hilfreiche finanzielle Unterstützung für den Deichbau und die Erhaltung der Niederlande immer noch sehr zu schätzen. So flatterte heute morgen ein Spendenaufruf von 14 € ins Haus. Quasi als Wiedergutmachung für die Benutzung niederländischer Autobahnen auf linker Fahrspur mit nicht niederländischen Fahreigenschaften. Nur, gab es leider kein schönes Foto dazu, wo wir doch so gern Onridephotos sammeln.
